24. April 2018

103. Jahrestag des Genozids an Armeniern: Bundestagsbeschluss zur kritischen Aufarbeitung auch in Bremen umsetzen

103. Jahrestag des Genozids an Armeniern: Bundestagsbeschluss zur kritischen Aufarbeitung auch in Bremen umsetzen

Heute jährt sich zum 103. Mal die Verhaftungswelle im damaligen Konstantinopel, die den Beginn des Genozids an Armeniern, Aramäern, Assyrern, Chaldäern und Pontos-Griechen im Osmanischen Reich markiert. Das deutsche Kaiserreich war an diesem Genozid aktiv beteiligt. Armenier*innen begehen heute den Gedenktag der ‚Aghet' (Katastrophe), Aramäer*innen sprechen von ‚Seyfo' (Schwert).

Cindi Tuncel, friedenspolitischer Sprecher der Fraktion DIE LINKE in der Bremischen Bürgerschaft, erklärt: „In den Jahren 1915/1916 wurde über anderthalb Millionen Menschen in der heutigen Südosttürkei getötet. Die armenische und christliche Kultur im Osmanischen Reich wurde durch weitere Vertreibungen im Genozid weitgehend ausgelöscht. Die wenigen, die sich retten konnten, erfuhren keine Unterstützung oder waren auch in der Diaspora (etwa in Syrien, Irak, Libanon) weiterer Verfolgung ausgesetzt. Das deutsche Kaiserreich war als engster militärischer Verbündeter von Anfang an über die Pläne informiert und teilweise selbst an der Ermordung und Vertreibung dieser Bevölkerungsgruppen beteiligt. Leider ist dieser Aspekt der deutschen Geschichte noch immer nicht ausreichend aufgearbeitet."

Der Bundestag hat 2016 gegen den massiven Druck vom türkischen Staatspräsidenten Erdogan und seinen Vorfeldorganisationen in Deutschland endlich den Massenmord an Armenier*innen und anderen Minderheiten offiziell als Genozid eingestuft. Im fraktionsübergreifenden Beschluss des Bundestages finden sich auch Empfehlungen, die in den Ländern umgesetzt werden müssen: Die Vertreibung und Vernichtung der Armenier*innen im osmanischen Reich soll in Schulen, Hochschulen und politischer Bildung stärker aufgearbeitet werden. Cindi Tuncel hat zu dieser Thematik heute eine Anfrage an den Senat gerichtet.


Heute lädt die Armenische Gemeinde um 17 Uhr zu einer Gedenkveranstaltung am Denkmal ‚Kreuzstein' nahe der Bürgerweide ein (Gustav-Deetjen-Allee).