2. August 2017

Jahrestag des IS-Genozids an den Êzîden in Shingal – LINKE: „Verfolgten Minderheiten aus Kriegsgebieten Schutz gewähren!"

Morgen jährt sich zum dritten Mal der Angriff der Terrormiliz Daesch auf die Region Shingal im Nordirak/Südkurdistan. Über 100.000 Menschen flüchteten damals vor den Terroristen in die Berge. Frauen und Mädchen wurden versklavt und vergewaltigt. Mehrere tausend von ihnen sind bis heute als Sklavinnen in der Gefangenschaft des sogenannten IS. Die êzîdischen Männer wurden zusammengetrieben und hingerichtet. Kämpfer*innen der Arbeiterpartei Kurdistans und der Volksverteidigungseinheiten aus Nordsyrien/Westkurdistan konnten zu diesem Zeitpunkt glücklicherweise noch schlimmere Massaker verhindern. Die UNO und das Europaparlament stuften die Verbrechen der Jihadisten als Genozid ein. Noch immer leiden die Êzîden in der mittlerweile von Daesch befreiten Region unter den Verbrechen und Zerstörungen. Zehntausende sind geflüchtet oder leben bis heute in menschenunwürdigen Camps.

Cindi Tuncel, êzîdischer Landtagsabgeordneter und friedenspolitischer Sprecher der Fraktion DIE LINKE in der Bremischen Bürgerschaft, erklärt: „Shingal darf nicht vergessen werden. Der dritte August als Jahrestag des Völkermordes an den Êzîden macht auch deutlich, dass im 21. Jahrhundert noch immer Minderheiten systematisch angegriffen und verfolgt werden. Es wäre wichtig, dass auch der Bundestag den Völkermord offiziell anerkennt. Obwohl die militärische Niederlage von Daesch mittlerweile absehbar ist, brauchen die Menschen in der Region weiterhin unsere Unterstützung: Hilfsorganisationen arbeiten im Irak und Syrien unter extrem schwierigen Bedingungen. Nachbarstaaten schließen die Grenzen für humanitäre Lieferungen und für flüchtende Menschen. Es gibt skandalöse Embargos, die v.a. die Opfer des Terror-Kalifats in der Region Shingal treffen. Um die Lage vor Ort zu stabilisieren, reicht es nicht, Daesch zum Rückzug zu zwingen. Wiederaufbau, medizinische und psychologische Unterstützung der traumatisierten Bevölkerung sind ebenso wichtig. An dieser Stelle müssen Deutschland und Europa mehr tun. Die êzîdische Bevölkerung fordert wirksamen Schutz vor weiterer Verfolgung, kulturelle Anerkennung und politische Rechte. Auch angesichts des im September geplanten Unabhängigkeitsreferendums der Autonomen Region Kurdistan (KRG) im Nordirak müssen die Rechte der Êzîden berücksichtigt werden." 

Viele Êzîden sind auch zu Verwandten geflüchtet, die bereits länger in Deutschland lebten. Tuncel: „Baden-Württemberg hat ein spezielles Aufnahmeprogramm für êzîdische Frauen aufgelegt und 1.000 von ihnen die Einreise ermöglicht. So ein Programm wünschen wir uns auch für Bremen."


In Bremen findet morgen, 3. August, um 11 Uhr eine Gedenkkundgebung auf dem Marktplatz statt. Die zentrale Gedenkveranstaltung findet um 13 Uhr am Brandenburger Tor in Berlin statt.