16. November 2017

Kannenberg-Insolvenz: Warten auf Akteneinsicht

„Aus den verschiedenen Interviews mit Lothar Kannenberg wird inzwischen klar, was das Prinzip ‚erst arbeiten, später planen' wirklich meint. Kannenberg hat auf Vorschussbasis auch dann noch Personal unbefristet eingestellt, als die Zugangszahlen bereits rückläufig waren. Dass daraus früher oder später ein Finanzproblem entstehen würde, war zu erwarten und muss auch der Sozialbehörde klar gewesen sein. Durch die Insolvenz wird dieses Problem jetzt auf dem Rücken der Beschäftigten ‚gelöst'. Kannenberg zielte offensichtlich einseitig auf Wachstum seiner Einrichtungen. Eine pädagogisches Konzeption und die betriebswirtschaftliche Nachhaltigkeit blieben dabei auf der Strecke. Genau das wäre wohl mit den anderen Trägern so nicht zu machen gewesen. Der Senat muss sich fragen lassen, ob er auch aus diesem Grund so massiv auf die Akademie Kannenberg gesetzt hat", so Cindi Tuncel, jugendpolitischer Sprecher der Fraktion DIE LINKE in der Bremischen Bürgerschaft.

„Auf unser Ersuchen um Akteneinsicht haben wir seit zwei Wochen noch keinen Terminvorschlag erhalten", so Tuncel weiter. „Eine Sondersitzung der Sozialdeputation, wie ursprünglich angekündigt, wurde ebenfalls nicht angesetzt. Zum Zeitpunkt der regulären Deputationssitzung am 30.11. werden die ersten Kündigungen an Mitarbeiter*innen bereits ausgesprochen sein. Der ‚Sanierungsplan' soll auf Biegen und Brechen umgesetzt und dann mit Kannenberg weitergemacht werden. Der Kannenberg-Trick, sich letztlich einen Marktvorteil durch falsche Versprechungen an die Beschäftigten verschafft zu haben, würde so auch noch belohnt. Hier werden wir uns deutlich querstellen. Das Sozialressort sollte selbst ein Interesse haben, so schnell wie möglich volle Transparenz herzustellen. Für mich ist klar, dass Anschlusslösungen für die Beschäftigten und für die betreuten Jugendlichen jetzt im Mittelpunkt stehen müssen. Diejenigen, die die Arbeit mit den Jugendlichen wirklich gemacht haben, darf man jetzt nicht achselzuckend auf die Straße setzen."