25. April 2017

Türkische Luftangriffe auf YPG: Erdoğan will die Landkarte des Nahen Ostens umschreiben

Die türkische Armee hat heute Nacht Bombenangriffe in Syrien und im Irak geflogen. Die türkischen Kampfjets griffen das Hauptquartier der kurdischen Volksverteidigungseinheiten YPG in Nordsyrien an sowie Rundfunksender der ezidischen YBS-Milizen und der Peschmerga im Nordirak. Die Zahl der Toten ist noch unbekannt. Die türkische Armee erklärte, die kurdischen ‚Terrornester‘ in Nordsyrien und Nordirak ‚zerstören‘ zu wollen. 

In Bremen findet heute um 17 Uhr auf dem Marktplatz eine Demonstration gegen die türkischen Angriffe statt. 


Cindi Tuncel, Sprecher der Bürgerschaftsfraktion DIE LINKE für Frieden und Internationales, erklärt zu den Angriffen: „Kaum ist das Referendum zu Ende, eröffnet Erdoğan eine neue militärische Angriffswelle gegen die Kurden – diesmal auf ausländischem Boden. Die türkischen Bombardements treffen nicht nur die kurdischen Milizen, die in Syrien und im Irak gegen den ‚Islamischen Staat‘ kämpfen. Sie treffen auch die internationale Koalition gegen den sog. IS. Denn die kurdischen Milizen der YPG sind der wichtigste Verbündete im Kampf gegen den IS und die einzige Kraft, die der Terrormiliz am Boden entscheidende Gebiete wieder abgerungen hat. Die Türkei spielt damit dem ‚Islamischen Staat‘ in die Hände, der durch den Vormarsch der kurdischen Milizen bei Raqqa und Mossul in die Defensive geraten ist und dem Erdoğan durch die Angriffe auf die YPG den Rücken frei hält.“ 

„Erdoğans Ziel ist klar: Er will die kurdischen Gebiete in Nordsyrien und Nordirak militärisch zerstören. Er ist dabei, die Landkarte des Nahen Ostens umzuschreiben: Mit einer starken Erdoğan-Türkei im Norden, einem konsolidierten Assad-Westsyrien und einem wiedererholten IS-Gebiet in Ostsyrien und Irak, ohne westlichen Einfluss, und auf Kosten sämtlicher Oppositionsgruppen und ethnischen Minderheiten der Region. Für Freiheit, Selbstbestimmung, Demokratie und Menschenrechte in der Region ist dieser Plan eine Katastrophe.  Die türkischen Luftangriffe in Syrien und Irak sind eine völkerrechtswidrige Aggression. Die internationale Koalition gegen den ‚IS‘ muss diese Aggression entschieden zurückweisen. Die Bundesregierung muss jetzt die deutschen Tornados und Soldaten vom türkischen Luftwaffenstützpunkt Incirlik abziehen. Jedwede militärische Kooperation mit der Türkei lässt sich nicht mehr rechtfertigen. Bei weiteren völkerrechtswidrigen Angriffen der Türkei gehört auch die Frage von Wirtschaftssanktionen auf die Tagesordnung“, so Tuncel abschließend.